Zusammenfassung

Dieses Whitepaper befasst sich damit, wie Finanzdienstleistungsunternehmen, die zunehmend unter Druck stehen, moderne Softwarearchitekturen in eine Legacy-Umgebung integrieren und damit strategische Vorteile erzielen können. Es veranschaulicht drei verschiedene Ansätze der Softwarearchitektur und analysiert den besten Ansatz, um global konkurrenzfähig zu bleiben. Schliesslich zeigt es verschiedene Integrationstiefen am Beispiel der 3rd-eyes analytics Applikation auf.

1.  Einleitung

Finanzdienstleister sehen sich mit ändernden Geschäftsmodellen, steigenden regulatorischen Anforderungen und kontinuierlicher technologischer Innovation konfrontiert.

Um in diesem Umfeld konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Unternehmen folgende Eigenschaften aufweisen:

Globale Wettbewerbsfähigkeit: In einer „flachen Welt“ (wie in Thomas L. Friedmans Buch von 2005 beschrieben) konkurriert jedes Unternehmen in einem global einheitlichen Wettbewerbsumfeld. Die Standards und Erwartungen sind die gleichen, egal ob Sie sich in Island oder in Kenia befinden. Es reicht nicht mehr, ausschliesslich auf regionaler Ebene der Beste zu sein.

Kollaborationsfähigkeit: Unternehmen müssen in der Lage sein, auf weltweit verfügbares Know-how zugreifen und Kooperationsnetzwerke aufbauen zu können, um erstklassige Lösungen zu entwickeln. Kein Unternehmen verfügt intern über die Breite und Tiefe an Wissen, um auf globaler Ebene an allen Fronten konkurrieren zu können.

Anpassungsfähigkeit:  COVID-19 zeigt uns einmal mehr, dass sich die Welt im Handumdrehen verändern kann. Überleben werden diejenigen, die fähig sind, sich diesem Entwicklungsdruck schnell und unkompliziert anzupassen.

2. Wettbewerbsfähigkeit

Um die Wettbewerbsfähigkeit eines Finanzinstituts beurteilen zu können, müssen wir – nebst anderen zentralen Elementen – vor allem die IT-Infrastruktur genau unter die Lupe nehmen. Hier manifestieren sich die Geschäftsprozesse als funktionales Rückgrat eines Unternehmens und definieren dessen Leistungsfähigkeit und Beweglichkeit. Die IT-Infrastruktur kann nach ihrem Architekturstil kategorisiert werden. So gibt es drei verschiedene Stile, die wir als Inkrementalismus, Radikalismus und Strukturalismus bezeichnen können.

Inkrementalismus ist das, was die meisten von uns in der Vergangenheit getan haben: Wir haben neue Lösungen an die alten angedockt und möglicherweise vereinzelt auch subtile Veränderungen in der Technologie vorgenommen.

 

Dieser Architekturstil zeichnet sich durch eine Fülle von Technologien, eine unüberschaubare Komplexität und hohe Wartungskosten aus.

Radikalismus ist der Ort, an dem sich die meisten Startups befinden, weil sie auf der grünen Wiese beginnen konnten und sich nicht um Altlasten wie Legacy-Systeme kümmern mussten.

 

Diese Architektur zeichnet sich aus durch:

Modularität: Die Anwendungen sind in klar definierte und voneinander separierte Module oder Komponenten aufgeteilt.

Lose Verknüpfung: Die Komponenten verhalten sich wie einzelne Mikrodienste, die sich miteinander und mit den Kernanwendungen verbinden können.

Offene Standards: Die lose verknüpften Komponenten kommunizieren über Offene Standards.

Strukturalismus ist eine Hybridform zwischen Inkrementalismus und Radikalismus. Er bewahrt, was noch benötigt wird (den Unterbau), ersetzt aber den «Leim» zwischen den Ebenen und fügt neue Funktionalitäten hinzu.

Der Strukturalismus ist eine Übergangsarchitektur: Sein Zweck ist, Zeit zu gewinnen, um den alten Unterbau sukzessive zurückbauen und gleichzeitig neue Geschäftsmodelle entwickeln zu können.

Strukturalismus folgt den gleichen architektonischen Prinzipien wie Radikalismus (Modularität, lose Verknüpfung, offene Standards), setzt sie aber in einer Legacy-Umgebung ein.

Dies wird durch eine Integrationsschicht („Leim“ in der obigen Analogie) ermöglicht. Eine Integrationsschicht kapselt Kernanwendungen und umgibt sie mit einer Schicht, die moderne API-Standards, z.B. REST, verbindet.

Integrationsschichten enthalten oft einen persistenten Speicher, der den Zugriff auf Daten ermöglicht, die für/von mehreren Kernanwendungen zusammengestellt werden müssen.

Die Integrationsschicht ist so faktisch eine Trennschicht zwischen alt und neu.

 

 

3.  Der Strategische Vorteil des Strukturalismus

Für ein etabliertes Finanzdienstleistungsunternehmen ist Radikalismus selten machbar. Nur sehr wenige Unternehmen haben die Risikobereitschaft und die Ressourcen, etwas völlig Neues auf der sprichwörtlichen «grünen Wiese» aufzubauen. Inkrementalismus ist das, was die meisten Unternehmen ohnehin bereits tun. Ab einem gewissen Punkt macht es jedoch keinen Sinn mehr, in alte Technologien zu investieren. Dieser Punkt nähert sich schnell, wenn die Komplexität und die Betriebskosten so hoch sind, dass nur noch wenig Spielraum für Neuentwicklungen bleibt. In diesem Fall ist der Strukturalismus der einzige Ausweg. Der erste Schritt auf diesem Weg ist der Aufbau einer Integrationsschicht. Dies ist kein einfaches Unterfangen, hat aber immense strategische Vorteile:

  • Man gewinnt Zeit durch die Kapselung kritischer Komponenten (wie die transaktionale Infrastruktur und grosse Datenbanken) und kann diese dann zu einem späteren Zeitpunkt ersetzen
  • Es ermöglicht die Implementierung moderner Technologien und die Anbindung fortschrittlicher Dienstleistungen (Open Banking)
  • Es ist vergleichsweise kostengünstig
  • Das Risiko ist überschaubar

Sobald die Integrationsschicht eingerichtet ist, können modernste Anwendungen (z.B. diese von 3rd-eyes analytics) angebunden werden, womit die notwendige strategische Flexibilität geschaffen wird, sodass moderne Finanzdienstleistungsunternehmen im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben und so weiter bestehen können.

4.  Beispiel: Die 3rd-eyes analytics Anwendung

3rd-eyes analytics legt grossen Wert auf die nahtlose Integration unserer Anwendung in jeder Umgebung. Die Architektur ist modular, lose verknüpft und basiert auf offenen Standards. Sie bietet alle notwendigen Komponenten, um eine ganzheitliche Lösung zum zielbasierten Investieren in jede Umgebung eines Finanzinstituts zu integrieren.

Unsere Architektur besteht aus sieben lose verknüpften Modulen, die über offene Standards (REST) kommunizieren:

 

 

 

 

 

 

Der Simulator berechnet die Entwicklung von Vermögenswerten und die Erreichung von Zielen in bis zu 5’000 Kapitalmarktszenarien interaktiv.

Der Optimierer sucht die optimale Vermögensallokation, welche die Zielerreichung maximiert. Er ist an denselben Szenarioraum wie der Simulator gekoppelt.

Der CRM/Profiler enthält die persönlichen Kundendaten, die von der Regulierungsbehörde geforderten Risikoprofile, sowie weitere Elemente wie Kenntnis und Erfahrung, Angebotsselektion, etc.

Das User Interface bietet eine vollständig konfigurierbare Benutzeroberfläche mit optimierten „Customer Journeys“.

Das Portfolio- Modul ermöglicht die Konstruktion von Portfolios auf der Grundlage der optimalen Vermögensallokation unter Berücksichtigung der persönlichen Anlage- und Wertvorstellungen des Kunden (z.B. ESG), sei dies mittels Fonds oder Direktanlagen.

Der Report Generator dokumentiert den gesamten Beratungsprozess.

Das Monitoring- Modul benachrichtigt den Kunden oder Berater per E-Mail, wenn Ziele fällig sind oder ein Neuausgleich des Portfolios erforderlich ist.

Die APIs werden vollständig auf die Kundenbedürfnisse konfiguriert.

5.  Unterschiedliche Integrationstiefen

Wie in der unten aufgezeigten Abbildung zu sehen ist, können die 3rd-eyes analytics Komponenten in verschiedenen Integrationstiefen und in privaten, öffentlichen oder hybriden Clouds eingesetzt werden. Sie werden in Form von Docker-Containern geliefert und lassen sich leicht in jede Umgebung integrieren, und unterstützen so Open Banking.

Die einzigen Ausnahmen sind die Module Simulator und Optimierer, welche an die 3rd-eyes analytics Cloud gebunden sind, um die Elastizität und Skalierbarkeit der Cloudinfrastruktur sicherzustellen.

Autor: Michael Koschinsky

https://www.linkedin.com/in/koschinsky/